Wie verursachen die HIV-Proteaseinhibitoren
Durchfälle?

Der Magen-Darmtrakt
ist von der HIV-Infektion besonders betroffen, denn er stellt nicht
nur eine häufige Eintrittspforte für das Virus dar, sondern
er beherbergt auch die meisten Immunzellen des Körpers. Daher
ist er wesentlich an der Krankheitsentstehung beteiligt. Während
des gesamten Verlaufs der HIV-Infektion findet in der Darmschleimhaut
eine starke Virusvermehrung statt und sie weist bereits in sehr
frühen Stadien der Erkrankung einen massiven Verlust an CD4
T-Zellen auf.
Die hochaktive antiretrovirale
Therapie (HAART) führt auch im Darm zu einer Verbesserung der
Immunabwehr und zu einer Verminderung HIV-bedingter Symptome. Andererseits
ist Durchfall eine häufige Nebenwirkung der dabei eingesetzten
Medikamentengruppe der HIV-Proteaseinhibitoren. Unsere Voruntersuchungen
an einem Zellmodell für die Darmschleimhaut deuten darauf hin,
daß die Barriere zwischen Darmgewebe und Darmlumen undicht
wird. Das hat zur Folge, daß Ionen und nachfolgend Wasser
aus dem Gewebe in das Darmlumen verloren gehen und Durchfall verursachen.
In dem geplanten Projekt
soll zunächst geklärt werden, inwieweit Füllstoffe,
die in der Kapsel zusätzlich zum eigentlichen Wirkstoff enthalten
sind, zu diesem Effekt beitragen. Im weiteren soll der Mechanismus
der Schädigung untersucht werden. Auslöser können
verschiedene Formen des Zelltods (Nekrose, Apoptose) oder eine Störung
der Zellverbindungen (Tight Junctions) sein. Schließlich sollen
durch Einsatz geeigneter Hemmstoffe beteiligte zelluläre Mechanismen
identifiziert werden. Ein Verständnis der Ursachen des durch
HIV-Proteaseinhibitoren induzierten Durchfalls ist Voraussetzung
für die Verminderung oder Vermeidung dieser unerwünschten
Nebenwirkung. Denn die Verträglichkeit der Medikamente ist
mit entscheidend für die HIV-Patienten, um ihnen die konsequente
Einnahme zu erleichtern. Dies ist wichtig für einen anhaltenden
Erfolg der Therapie.

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