| Persönliche Vorstellung
Ulrich Mahlknecht, leitet eine Nachwuchsforschungsgruppe
der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Universität
Frankfurt. Medizinstudium an der Universität Tübingen,
Studium der molekularen Medizin an der State University of
New York. Wissenschaftliche Ausbildung bei Prof. Dr. Günther
Dannecker und Prof. Dr. Dietrich Niethammer an der Universitäts-Kinderklinik
Tübingen in Immunologie sowie bei Prof. Dr. Richard Bucala
in Molekularbiologie und Prof. Dr. Eric Verdin in molekularer
Virologie in New York. Klinische Ausbildung in Innerer Medizin
mit Schwerpunkt Hämatologie/Onkologie bei Prof. Dr. Roland
Mertelsmann in Freiburg und bei Prof. Dr. Dieter Hoelzer in
Frankfurt.
Zusammenfassung
Während der HIV-Infektion wird Zelltod infolge Apoptose
(sog. "programmierter Zelltod") sowohl in infizierten,
als auch in nichtinfizierten CD4+ T-Zellen induziert. Hinweise
auf einen direkten Abtötungsmechanismus HIV-infizierter
CD4+ T-Zellen konnten wir in vitro durch Konstruktion eines
HIV-Klons gewinnen, welcher das grün fluoreszierende
Protein GFP exprimiert. Die Expression des fluoreszierenden
Farbstoffs GFP in infizierten Zellen ermöglichte uns
die einfache Abgrenzung infizierter von nichtinfizierten Zellen.
Dabei konnten wir beobachten, daß sich innerhalb der
CD4+ T-Zellpopulation in der Anwesenheit Antigenpräsentierender
Zellen (z.B. Makrophagen) Apoptose nahezu ausschließlich
auf nichtinfizierte Zellen beschränkt, während Apoptose
unter HIV-1 infizierten, schwach CD4+ T-Zellen kaum nachweisbar
war. Die Zugabe von Makrophagen zur HIV-1-infizierten Zellkultur
vermochte also die Apoptose von schwach CD4+ T-Zellen erheblich
zu vermindern.
Makrophagen exprimieren als Folge der HIV-Infektion an der
Zelloberfläche vermehrt TNFa, welches die Apoptose CD8+
T-Zellen vermittelt. Interessanterweise führte die Zugabe
neutralisierender anti-TNFa-Antikörper in unserem Versuchsansatz
zur Zunahme der Apoptose HIV-1-infizierter CD4+ T-Zellen.
Entsprechend hatte die Aktivierung über TNFa einen gegenteiligen
Effekt. Dieser Effekt - so konnten wir zeigen - hing von der
Anwesenheit des HIV-1-Proteins Nef ab.
Nähere Details für Interessierte:
Aus der Literatur ist bekannt, daß das HIV-1-Protein
Nef in der Wirtszelle zu einer Reihe voneinander unabhängiger
Effekte führt, die allesamt dazu dienen, die Virusreplikation
möglichst effektiv zu machen und das Überleben des
Virus zu sichern. Hierzu gehören die Verminderung der
Expression von CD4 und des MHC-I-Komplexes an der Zelloberfläche,
was infizierte Zellen vor der Ab-tötung durch zytotoxische
T-Zellen schützen dürfte sowie eine Verstärkung
der Infektiosität des Virus und eine hieraus resultierende
T-Zell-Aktivierung bzw. -Inaktivierung. Entsprechend konnte
an mit Nefdefizientem SIV (simian immunodeficiency virus)
infizierten Affen gezeigt werden, daß die Virustiter
hier sehr niedrig oder gar unmeßbar waren und daß
sich keine Anzeichen für ein Fortschreiten der Erkrankung
nachweisen ließen. Ähnliche Beobachtungen konnten
auch an Langzeitüberlebenden HIV-Patienten gemacht werden,
die mit einem Virusstamm infiziert waren, welcher Nef nicht
exprimierte.
Zusammenfassend zeigt unsere Studie, daß es in Abhängigkeit
von der Expression des HIV-Proteins Nef und einer über
die Makrophagenoberfläche vermittelten Aktivierung durch
TNF eine Population produktiv HIV-infizierter CD4+ T-Zellen
gibt, welche Apoptoseresistent ist. Diese Apoptoseresistenz
von T-Zellen ist möglicherweise für die Bildung
und Aufrechterhaltung eines viralen Reservoirs in HIV-infizierten
Individuen mitverantwortlich. Denkbar ist allerdings, daß
nur ein Bruchteil der HIV-infizierten CD4+ T-Zellen mit Makrophagen
in Wechselwirkung tritt und der Apoptoseschutz somit limitiert
sein könnte. Ferner geht infizierten CD4+ T-Zellen, welche
nicht direkt mit Makrophagen in Wechselwirkung treten, möglicherweise
das Signal, welches über membrangebundenes TNF vermittelt
wird, verloren. Diese Zellen würden dadurch für
eine Nef-assoziierte Apoptoseinduktion empfänglicher.
Eine Verbesserung des Verständnisses der Mechanismen,
welche dem Überleben infizierter CD4+ T-Zellen zugrunde
liegt, stellt einen potentiellen Weg für neue therapeutische
Ansätze dar, welche die Beseitigung von Virusreservoirs
in HIV-infizierten Individuen zum Ziele hat.
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